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War ich wirklich in Hypnose?

 Ich bekomme sehr viele Zuschriften von Menschen, die Hilfe mit Hypnose suchen. Viele waren bereits bei einem der inzwischen zahllosen Hypnotiseure, die sich im Netz finden. Wer erfolgreich war, hat es natürlich nicht mehr nötig bei mir anzufragen. Daher melden sich auch häufig Personen, die nicht oder nicht sehr zufrieden waren. Oft höre ich: "Ich war gar nicht in Hypnose, ich habe ja alles mitbekommen". Hierzu ist zunächst zu sagen, dass Hypnose (direkter Zugang zum Un(ter)bewusstsein) nichts mit echtem Schlaf (Bewusstlosigkeit) hat. Auch, wenn wir Hypnotiseure gerne das Wort "Schlaf" auch in der Hypnoseeinleitung verwenden, ist Hypnose niemals ein echter Schlaf und somit ist Hypnose auch niemals eine Bewusstlosigkeit. 

Sehr häufig höre ich auch im Seminar "ich war nicht in Hypnose, ich habe alles mitbekommen". Nun ist es so, dass man selbstverständlich alles mit bekommt, was der Hypnotiseur sagt. Wie sollte man auch reagieren können, wenn man bewusstlos wäre? Die Teilnehmer einer Hypnoseshow sind ebenfalls hypnotisiert und trotzdem hellwach und laufen keinesfalls schlafwandelnd durch die Gegend. Hypnose ist also kein Schlaf, sondern der Zustand in dem der Hypnotiseur möglichst guten und direkten Zugriff auf das Un(ter)bewusstsein hat. 

Man unterscheidet nun verschiedene Trancetiefen. Um es nicht zu kompliziert zu machen, unterscheiden wir einfach einmal zwischen leichter, mittlerer und tiefer Trance (der sogenannte Somnambulismus). In jeder Trancetiefe bekommt man alles mit! Irgendwie müssen die Suggestionen ja verarbeitet werden und das funktioniert im bewusstlosen Zustand oder im Schlaf nicht. Nun sind Wachbewusstsein und Un(ter)bewusstsein verschiedene, parallel existierende Instanzen. Sobald ein Zugang zum Unterbewusstsein geschaffen wurde, bekommt das Wachbewusstsein trotzdem alle Suggestionen des Hypnotiseurs mit und kann, zumindest in leichter und mittlerer Trancetiefe, auch nötigenfalls intervenieren. Die leichte Trancetiefe ignorieren wir an dieser Stelle, da sie für therapeutische Zwecke nicht besonders hilfreich ist. Interessanter sind jedoch die mittlere Trancetiefe und der Somnambulismus. 

In mittlerer Trancetiefe ist ausreichend Zugang zum Unterbewusstsein vorhanden, um Suggestionen dauerhaft zu setzen. Gleichzeitig bekommt man, wie ein Beobachter, bewusst alles mit und kann sich auch nach der Hypnosesitzung daran erinnern. Wer nun Hypnose mit Schlaf oder Bewusstlosigkeit gleichsetzt, wird sehr enttäuscht sein und behaupten gar nicht in Hypnose gewesen zu sein. Um das im Nachhinein zu verhindern, werden oft Techniken eingesetzt, dem Probanden zu zeigen, dass er tatsächlich im gewünschten Hypnosezustand ist, bzw. war. Das wird häufig als "Convincer" bezeichnet. Ich bin kein Freund englischer Ausdrücke im Bereich der Hypnose, der Begriff hat sich jedoch in vielen Schulen etabliert. Für mich ist es einfach ein Hypnosetest, der dem Probanden den Zustand belegt, um bei deutschen Ausdrücken zu bleiben. Eine Möglichkeit wäre z.B. die Armlevitation und die Armkatalepsie. Armlevitation bedeutet, dass ein Arm ohne Zutun des Probanden nur aufgrund von Suggestionen von alleine in die Höhe steigt. Eine Armkatalepsie wäre die Versteifung des Arms, so das ihn der Proban kurzzeitig nicht mehr bewegen kann. Dies wird dem Probanden auch gezeigt, in dem er aufgefordert wird die Augen zu öffnen und im Falle einer Armkatalepsie versuchen soll den Arm zu bewegen. Wenn eine gewisse Trancetiefe eingetreten ist, kann er sich nun davon überzeugen, dass sein Arm vollständig unter der Kontrolle des Hypnotiseurs ist und demnach tatsächlich eine Hypnose eingetreten ist. In einem späteren Stadium, der Tieftrance und auch erst in diesem, tritt noch zusätzlich ein Gedächtnisverlust ein. Der Proband kann sich nicht mehr erinnern was suggeriert wurde und geschehen ist, solange der Hypnotiseur diese Amnesie nicht aufhebt (was ebenfalls problemlos möglich ist). Vermutlich ist es genau dieser somnambule Zustand, der (zumindest von mir) immer wieder bei Shows und im TV gezeigt wird, der dafür sorgt, dass die Zuschauer der Meinung sind, dass der Proband schläft oder geschlafen hat, da er sich nicht mehr erinnern kann. Eine Amnesie hat jedoch nicht das Geringste mit einer Bewusstlosigkeit zu tun! 

Da Wach- und Un(ter)bewusstsein parallel existieren, ist das Wachbewusstsein also durchaus in der Lage, dem Treiben "zu zu sehen", was dazu führt, dass man der Meinung sein kann, gar nicht hypnotisiert gewesen zu sein, sofern der Hypnotiseur es dem Hypnotisanden nicht bewiesen hat. Doch selbst in der tiefen Trance ist es so, dass man sich nur an die Zeit vor, zwischen und nach der tiefen Hypnose erinnern kann und das wiederum eine durchgehende Zeitlinie ergibt. Wenn zwischendurch eine kurze oder länger anhaltende Gedächtnislücke aufgetreten ist, weiß der Proband nichts davon. Höchstens durch einen Zeitvergleich könnte er feststellen, dass die angenommen vergangene Zeit mit der tatsächlich vergangenen Zeit nichts zu tun hat. 

Am einfachsten ist es natürlich im Rahmen einer Showhypnose den Probanden zu zeigen, dass sie tatsächlich hypnotisiert sind, indem man sie Dinge verrichten lässt, die sie im normalen Zustand niemals tun würden. Wer das erlebt hat, zweifelt definitiv nicht mehr an der Hypnose. Doch ist das selbstverständlich nicht die Arbeit oder Aufgabe eines Hypnosetherapeuten. Diesem reicht für eine Therapie in aller Regel eine mittlere Trancetiefe ohne Gedächtnisverlust auch völlig aus. Daher sollte er dem Probanden aufzeigen, dass er in Hypnose gefallen ist (siehe z.B. die Armlevitation/-katalepsie) um Missverständnisse zu vermeiden. Ist hingegen aufgrund der verwendeten Technik oder aus anderen Gründen tatsächlich keine oder nur eine sehr leichte Trance eingetreten ist, weiß der Hypnotiseur sofort bescheid, dass noch zu vertiefen ist. Somit helfen diese Tests auch dem noch nicht so ultraerfahrenen Hypnotiseur, die Trancetiefe einschätzen zu können. 

So lange man keinen völligen Gedächtnisverlust erlebt, hat man übrigens keine Chance, selbst die Trancetiefe einzuschätzen, da das Wachbewusstsein ja weiterhin aktiv ist. Auch haben wir weder ein Messinstrument, noch einen anderen Anhaltspunkt, alleine ohne Hilfe festzustellen, wie tief die Hypnose nun tatsächlich war. Alle Ideen dahingehend sind demnach reine Spekulation.

Zusammenfassend sei zu sagen, dass man die Hypnosetiefe testen muss, um es dem Probanden zu belegen. 

Ein sicheres Zeichen, dass man in Hypnose war, ist es übrigens auch, wenn man nach der Sitzung unter Kopfschmerzen, Desorientierung und/oder Schwindel leidet. Das bedeutet dann zwar gleichzeitig, dass die Hypnose vom Hypnotiseur nicht ordentlich aufgelöst wurde (z.B. einfach "aufgeweckt" mit den Worten "du bist wieder im Hier und Jetzt"), denn eine fachlich richtige Hypnoseauflösung sorgt dafür, dass man sich richtig wohl fühlt und keine Probleme entstehen. Die Probleme können andererseits jedoch auch nur dann auftreten, wenn vorher eine Hypnose induziert wurde. 

Wenn dein Hypnotiseur nicht in der Lage ist, dir den Hypnosezustand zu belegen, solltest du ihn übrigens auch mal fragen, was er von Beruf ist. ;-) 

Hypnose, morphische Felder lesen und Geistheilung ...
"Das gibt es nicht!" - Höre ich immer wieder. Kann...

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